Unternehmensnachfolge – Zwei Herzen in einer Brust

Unternehmereltern haben eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Sie müssen zwei unterschiedlich ausgerichtete Systeme, die Familie und das Unternehmen, unter einen Hut bekommen und dabei parallel die zukünftige Entwicklung immer im Blick behalten. Die folgenden zwei Geheimzutaten können dabei helfen, sich dem schwierigen Thema Unternehmensnachfolge als Familie zu nähern.

Familienunternehmen.

Nicht nur zwei Wörter, sondern auch zwei Systeme in einem Wort vereint. Die Familie als ein Ort, an dem im optimalen Fall Werte wie Geborgenheit, Vertrauen, Zusammenhalt, Unterstützung und gegenseitige Hilfe gelebt werden.

Und das Unternehmen, in dem es in erster Linie um wirtschaftliche Faktoren geht. Und doch gibt es bei Familienunternehmen eine große Schnittmenge gerade im Bereich der Werte.

Das ist gut so und ist sicherlich ein Erfolgsgeheimnis von Familienunternehmen, zu dessen Unternehmenstyp rund 90% der Firmen in Deutschland zählen. Gerade weil familiengeführte Unternehmen einen so hohen emotionalen Wertekodex vorleben, fühlen sich Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter hier bestens aufgehoben (siehe auch Sieben Gründe, warum Familienunternehmen der Gesellschaft nützen).

Das Elternherz

Auf der einen Seite schlägt das Herz von Unternehmereltern für ihre Familie. Ein System, das seine ganz eigenen Spielregeln hat. In der es mal drüber, mal drunter geht. Dessen Mitglieder, gerade in der heutigen Zeit, ihre ganz eigenen Vorstellungen von der beruflichen Zukunft entwickeln – unendliche Alternativen und der steigende Wunsch nach Individualisierung machen es möglich.

Vielleicht waren sie früher sogar selbst Unternehmerkind und haben von ihren Eltern vorgelebt bekommen, dass es keine Wahl gibt. Und nun stehen sie im Zwiespalt, inwieweit sie ihren eigenen Kindern den Weg in die Unternehmensnachfolge verordnen können – oder nicht.

Glückliche Generationen
Es gibt noch ein Leben nach der Arbeit.

„Das war halt so!“ gilt heute nicht mehr

Klar, damals waren andere Zeiten. Aber trotzdem kennen sie das Gefühl, wenn über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird. Die Zeit der Patriarchen neigt sich dem Ende zu und (Unternehmer-) Eltern wollen heute mehr denn je mit ihren Kindern eine Beziehung auf Augenhöhe.

Viele Unternehmereltern…

  • wollen, dass ihre Kinder glücklich sind und die Möglichkeit haben, ihr „Ding“ zu machen – auch wenn das außerhalb des Familienunternehmens ist.
  • wünschen sich, dass das Verhältnis zu ihren Kindern gut und stabil ist.
  • wissen, wie wichtig ein intaktes Familienleben und soziales Umfeld ist, dass sie nach dem Abschied aus dem Berufsleben auffängt.
  • wissen aber auch, dass oftmals Ansprüche, die von der Familie an sie gestellt werden, nur schwer mit den beruflichen Anforderungen vereinbar sind.

Das Unternehmerherz

Denn – da schlägt noch ein anderes Herz in ihrer Brust. Und dieses Herz schlägt manchmal lauter, als ihnen vielleicht lieb ist.

Warum es so laut schlägt? Weil sie…

  • viel Zeit, Geld, Aufmerksamkeit in den Auf-/Ausbau ihres „Business“-Babys investieren.
  • hier Herausforderungen meistern und selbstverdiente Erfolge feiern können.
  • die Familiengeschichte weitergeschrieben und dadurch auf ein neues Level gebracht haben.
  • wissen, dass sie Verantwortung für Mitarbeiter und ihre Familien haben damit auch regional in der Verantwortung stehen.
  • hier Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz erhalten.
  • Erfüllung darin finden, durch ihr Handeln die Geschicke des Unternehmens zu lenken.

Ein Familienunternehmen ist wie ein Kind,
das man aufwachsen sieht und das man begleitet und unterstützt.

Michael Otto, Otto Group

All das macht es nicht einfacher, Entscheidungen gerecht zu fällen. Wann schlägt das Unternehmerherz höher, wann das Elternherz?

Zudem wissen Familienunternehmer auch, wie wichtig es ist, vorausschauend für die nachfolgenden Generationen zu planen. Das heißt, das Thema Unternehmensnachfolge muss irgendwann einmal angesprochen werden.

Bei der Unternehmensnachfolge kommt  es auf das richtige Timing an.
Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, die Unternehmensnachfolge zu thematisieren?

Das richtige Timing

Timing ist hier wirklich ein wichtiges und gleichzeitig unfassbar kniffeliges Thema. Viele Parameter kommen zusammen (Alter der Eltern, Alter der Kinder, Partner der Kinder, Neigungen, Talente, eventuelle Geschäftspartner) und machen damit jede Unternehmensnachfolge zum Unikat. Und nun heißt es auch noch, die richtigen Worte für die eigenen Wünsche und Erwartungen zu finden.

Gar nicht so einfach.

So kann es auch sein, dass bei einem zu früh gewählten Zeitpunkt, vielleicht Abneigung gegenüber dem Thema entsteht. Wobei es zu einem späteren Zeitpunkt ganz anders aufgenommen werden könnte und der „Funke“ für das Vorhaben sofort überspringt.

Die Lösung

Was kann nun also helfen, sich diesem herausfordernden Thema zu nähern? Die folgenden zwei Geheimzutaten scheinen simpel, haben es aber bei genauerer Betrachtung in sich:

Geheimzutat #1

KLARHEIT. Und zwar auf beiden Seiten. Schonungslos und ergebnisoffen.

Was sich einfach anhört, ist in Wirklichkeit ein kräftezerrender Prozess für alle Beteiligten und wird im Idealfall von einer neutralen Person, wie z.B. einem Coach, begleitet. Dieser hilft, den Überblick bei diesem emotionalen Thema zu behalten und hat dabei beide Seiten fest im Blick.

Denn in dieser Phase geht es darum, die Karten auf den Tisch legen, ohne den genauen Ausgang für ein zukünftiges Ereignis bereits zu kennen. Und eventuell muss auch ein anderes Ergebnis akzeptieren werden, als das, was man sich vorher ausgemalt hat.

Dafür müssen sich die Unternehmereltern mit ihrem Schmerz und ihrer Angst des Loslassens auseinandersetzen. Und für die Unternehmerkinder heißt das, sich ihrer möglichen Angst vor der komplexen Aufgabenstellung zu stellen und Farbe zu bekennen.

Diese Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Hab ich die Bereitschaft, den Schritt aus dem Unternehmen hinaus oder hinein zu gehen?
  • Hab ich den Mut, diesen Schritt zu gehen?
  • Traue ich es meinem Kind zu?
  • Traue ich es mir als Junior*in zu, in das Familienunternehmen zu gehen?
  • Haben wir beide genug Vertrauen in den jeweils anderen, um diesen Schritt zu tun?

Geheimzutat #2

VERSTÄNDNIS. Für die großartige Lebensleistung und die soziale Verantwortung der Unternehmereltern. Und für die Bedürfnisse der Unternehmerkinder. Auch wenn diese vielleicht anders ausfallen, als von den Unternehmereltern erhofft.

Voraussetzung dafür ist, dass man dem anderen wirklich zuhört und das am besten nicht mit dem (Unternehmer-)Verstand, sondern mit dem (Eltern-)Herzen.

Dass man versucht, die Zwischentöne zu verstehen und auch Zweifel zulässt. Denn die sind 1. schon da und werden durch schiere Ausblendung nicht einfach so verschwinden und 2. sind sie wichtig, um das richtige Tempo für das Projekt Unternehmensnachfolge zu bestimmen.

Die Zwischentöne sind besonders wichtig, weil sie Raum lassen, um das Spektrum der Möglichkeiten zu erweitern. Vielleicht fehlt an der einen Stelle noch an Unterstützung durch die Eltern? Oder vielleicht müssen noch Kompetenzen in einem Bereich erworben werden? Das Wissen darum ermöglicht beiden Seiten, nach einer gemeinsamen Lösung zu forschen.

Werden diese zwei Geheimzutaten berücksichtigt und konsequent angeschaut, steht einer konstruktiven und fairen Diskussion nichts mehr im Wege und hat, langfristig gesehen, einen nachhaltigen Effekt auf das Projekt Unternehmensnachfolge.

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