Käfig ohne Vogel

Teil 2: Der Wellensittich. Über Erwartungen und das Loslassen

Wir alle kennen das. Wir alle haben diese Konzepte über den Idealzustand im Kopf. Doch dann kommt es doch meist anders als man denkt. So auch im Fall unserer Tochter, deren riesiger Wunsch nach Wellensittichen sich dann schlussendlich doch als ein Kompromiss entpuppte. Wie es weiterging und was Loslassen damit zu tun hat, lesen Sie hier.

Wie bereits im ersten Teil erzählt, zogen wir los, Wellensittiche für unsere Tochter zu kaufen.

Unsere Anlaufstelle: ein großer Tierfachmarkt in Münster, der uns aufgrund seiner guten fachlichen Beratung empfohlen wurde. Im Gepäck dabei: die hohen Erwartungen unserer Tochter und eine Reihe von Annahmen, was wir für unsere neuen gefiederten Mitbewohner benötigen würden.

Dort angekommen, händigte unsere Tochter uns Masken aus, die sie mit Wellensittichen bemalt hatte – ihre Vorfreude war schier grenzenlos. In meinem Bauch braute sich derweil so ein Gefühl zusammen…

Schnurstracks steuerten wir auf den Verkäufer der Vogelabteilung zu. Dieser sah unsere Tochter, die vor lauter Aufregung wie ein Flummi hoch und runter sprang. Dann sah er zu uns, dann nochmal zu unserer Tochter.
Und die Sache war für ihn klar.

Hard Facts

Er klärte uns darüber auf, dass wir mindestens 4 Vögel nehmen sollten, da dies der artgerechten Haltung entspricht. Den Käfig, den er uns danach empfahl, war noch eine Kopflänge größer als mein Mann, und der misst schon 2 Meter. Ob wir wüssten, dass die Vögel eigentlich tagsüber frei in der Wohnung fliegen sollten? Ähhhh – nein, das wussten wir nicht.

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Artgerecht sieht eigentlich so aus.

Ab der Zahl 4 schwirrte in meinem Kopf ein großes „Auf gar keinen Fall!“ herum. Ich nahm Blickkontakt zu meinem Mann auf und auch auf seiner Seite konnte ich diesen Stopp-Schild-Satz entdecken.

Nun war die Sache auch für uns Erwachsene klar. Es würde keine Vögel geben.

Sachte nahm ich unsere Tochter in den Arm und teilte ihr ruhig unsere Entscheidung mit.

Ihre Augen füllten sich augenblicklich mit Tränen. Das Gefühl in meinem Bauch hatte sich mittlerweile in einen Klumpen verwandelt – solche Wahrheiten fallen Eltern schwer auszusprechen, weil es schwer auszuhalten ist, sein Kind traurig zu sehen.

Und doch – die Entscheidung war richtig und musste getroffen werden.

Mit einer wortlos anklagenden Traurigkeit schlich unsere Tochter aus der Tierhandlung, schuldbewusst und mitfühlend folgten wir ihr.

Ich konnte sie gut verstehen.

Die Sache mit dem Ideal-Konzept

Wir alle kennen das. Wir alle haben diese Konzepte im Kopf. Wie die ideale Partnerschaft zu sein hat, die ideale Freundschaft, der ideale Job, die ideale Welt … die Liste ist unendlich erweiterbar. Wir wünschen uns so sehr diesen perfekten Zustand und werden doch so oft eines besseren belehrt.

Dass es dieses Ideal eben so meist nicht gibt. Und das es meist anders kommt.

Gibt es den einen Idealzustand überhaupt?
Gibt es den einen Idealzustand überhaupt?

Ist anders gleich schlecht?

Doch was ist dieses anders? Bedeutet es in jedem Fall schlechter? Oder halt nur anders?

Wie oft haben wir vielleicht schon erlebt, das es anders kam aber sich schlussendlich als das erwies, was eigentlich gut für uns war?

Wie oft rennen wir diesem unerreichbaren Idealzustand hinterher und hören in dieser Hast damit auf, zu hinterfragen, ob es wirklich das ist, was wir uns wünschen? Oder für andere (siehe Wellensittiche)?

Wie wir versuchen, unseren Partner, unsere Kinder, unsere Eltern, unseren Freund, unsere Kollegin und unseren Chef zu beeinflussen, dass sie so agieren wie wir es in unserer Idealwelt gerne hätten? Nur um dann ermüdet festzustellen, dass wir vielleicht kurzfristig damit Erfolg haben, aber langfristig gegen Windmühlen kämpfen.

Die Los-Lösung

Das was uns wirklich helfen kann, ist ebenso profan wie die schwierigste Sache der Welt. Es geht ums Loslassen.

Denn wenn wir von dieser Idealvorstellung loslassen, erkennen wir auch wieder, dass es daneben so viel mehr gibt. So viele Alternativen zu dem einen Idealzustand, die uns vielleicht viel mehr entsprechen.

Meistens kommen wir selbst gar nicht darauf, diesen Glauben an den Idealzustand zu hinterfragen. Dann kommt nicht selten etwas Unvorhersehbares – der Partner trennt sich, der Job wird gekündigt, Corona, ein Haustier, das nicht gekauft wird – zu uns und holt uns mit der Brechstange aus diesem Ideal-Träumen heraus.

Und hier liegt dann für uns die Chance, neue gedankliche Wege zu beschreiten. Und wer weiß? Vielleicht ist es da ja auch ganz schön.

Was wurde aus dem Tier-Wunsch?

Zuhause angekommen, ging unsere Tochter – immer noch schweigend – zu ihrer besten Freundin. Diese hatte eine Woche zuvor Meerschweinchen bekommen und ernannte unsere Tochter kurzerhand zur Patentante von Marshmellow, der braunweißen Meerschweinchen-Dame.

Freudestrahlend kam sie zurück und sagte: „In Wirklichkeit wollte ich doch immer nur eins: Ein Meerschweinchen!“

Ende gut. Alles gut?

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