Das zuckende Auge

Das zuckende Auge – Über unseren eigenen Leistungsdruck

Eigentlich möchte ich mich nicht beklagen. Gejammert wird im Moment schon genug.

Und doch: Die letzte Zeit war anstrengend, verdammt anstrengend sogar. Und das tut gut jetzt einfach mal zu sagen. Vor allem mein weiser Körper zeigte mir deutliche Signale, dass es einfach zu viel war.

An dieser Stelle ein kleiner Disclaimer: Ich bin keine Ärztin und schildere hier nur meine eigene Wahrnehmung als Laie. Bei ernsthaften Problemen ist ein ärztlicher Gang sicherlich empfehlenswert.

Einschlafprobleme gehören zum Beispiel dazu. Eine Freundin riet mir zu einem Melatonin-Spray, das mir dabei helfen könne, ins Reich der Träume zu gelangen. Hab’s probiert – für mich ist es nichts, da ich dadurch schlimme Alpträume bekam.

Ein neues, mysteriöses Volksleiden?

Und dann kam: das zuckende Augenlid. Immer abends, besonders an Tagen an denen es sehr stressig war, fing mein unteres Augenlid an zu zucken. Unkontrollierbar, angsteinflößend, unangenehm.

Spannend war, als ich neulich mit zwei weiteren Selbstständigen über mein zuckendes Problemlid sprach, beide wie aus einem Munde erwiderten: „Das kenn‘ ich auch!“

Komisch. Handelt es sich hier um ein neues Volksleiden? Woher kommt das? Und vor allem, was kann man dagegen tun?

Die Lösung für beide Probleme – Einschlafprobleme und Problemlid – erhielt ich am vergangenen Wochenende.

Ich hatte mir eine Auszeit genommen. Von meiner Arbeit. Von meiner Familie. Vielleicht auch etwas von mir selbst. Denn in der letzten Zeit beobachtete ich im Spiegel, wie meine Mundwinkel immer tiefer hingen und merkeleske Züge annahmen.

Mal nur mit sich sein dürfen, ist manchmal schon die beste Medizin.

Nur mal SEIN dürfen

Ich musste raus und fuhr in the middle of nowhere. Und 2 Tagen bemerkte ich: meine körperlichen Symptome waren – weg!

Als ich dort nun nur mit mir SEIN durfte, merkte ich auf einmal, was ich das ganze letzte Jahr mit mir rumgeschleppt hatte.

Einen großen Rucksack, randvoll gefüllt mit einem schier unerreichbaren Leistungsdruck.
Im Hinblick auf…

… meine Selbstständigkeit (hier mache ich mir den Druck in erster Linie selbst!)
… auf meine Familie (Homeschooling, Köchin, Entertainment-Managerin – all die diese Rollen hatten ihre Spuren hinterlassen)
… auf meinen Körper (Reiß Dich zusammen und immer schön fit bleiben!)

“Größenteils nichtig, teilweise Sterne” – Ist es so nicht auch mit dem eigenen Leistungsdruck?

Was ist Leistung – für mich?

Was ich an diesem Wochenende verstanden habe: Wer definiert Leistungsdruck? Ich für mich selbst oder richten ihn andere extrinsisch an mich?

Ich fand heraus, dass ich noch nie selbst eine Definition erstellt habe, was Leistung für mich bedeutet. Was für mich eine „gute“ Leistung?

Gerade als Selbstständige bin ich auch selbst dafür zuständig, meinen eigenen Wertekanon im Hinblick auf Leistung zu definieren. Was früher im Angestellten-Modus mein damaliger Vorgesetzter übernommen hat, ist nun meine Aufgabe.

Das ist nicht ganz leicht. Oft habe ich das Gefühl, es müsste noch mehr getan werden. Irgendwie ist genug nie genug.

Wo es hinführt, wenn man die körperlichen Symptome überhört

Dies fand ich neulich in einem Gespräch mit einem befreundeten selbständigen Handwerker bestätigt. Auch er kennt das zuckende Auge. Auf die Frage, ob er sich nicht einmal eine Auszeit nehmen könnte, sagte er nur lapidar: “Wenn ich Urlaub habe, werde ich immer krank. Da mach ich lieber weiter!”

Doch ist es in solch schwierigen Zeiten, wie wir sie alle gerade erleben, nicht an manchen Tagen schon eine gute Leistung, morgens aufzustehen, die Kinder gut zu versorgen, und den einen wichtigen Anruf zu tätigen? Auch das muss gewürdigt werden, denn solche Tage gibt es.

Anstatt wie im Hamsterrad von einer fremden Kraft angestachelt, die ganze Zeit zu rennen ist es an der Zeit, aus dem Rad auszusteigen und einmal innezuhalten.

Die eigene Leistung zu würdigen, freundlich mit sich umzugehen und sich gut um sich selbst zu kümmern. Denn das kommt letztlich allen zu Gute – der Familie, den Kunden und in erster Linie sich selbst.

Egoistisch ist nicht der, der sich um sich selbst kümmert, sondern der, der es versäumt hat und es jetzt von anderen erwartet.

Safi Nidiaye

Zurück zuhause, waren meine Akkus durch den guten Schlaf aufgeladen, mein Augenlid und ich entspannt und wieder bereit, Kontakt mit der Welt aufzunehmen. Unsere Tochter öffnete mir freudestrahlend die Tür, umarmte mich und sagte leise in mein Ohr: „Du bist schon eine ganz schön tolle Mama.“

Was ist Deine Definition einer „guten“ Leistung?

Lass es mich gerne wissen.

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